Freitag, Juni 02, 2006

 

Clevere und Hoffnungslose

http://www.zeit.de/online/2006/22/presseschau_lehrstellen

© ZEIT online 30.5.2006 - 16:07 Uhr
Clevere und Hoffnungslose
Es fehlen wieder viele Lehrstellen in Deutschland. Ob eine Kürzung der Lehrlingsgehälter die Misere abstellen hilft, bleibt zweifelhaft. Steffen Richter kommentiert das aktuelle Meinungsbild

Bis zu 50.000 Lehrstellen werden fehlen. Mit dieser Größenordnung zumindest rechnet die Bundesregierung für das laufende Ausbildungsjahr. Ob diese Zahl so stimmen wird oder womöglich noch viel höher liegt, sei dahingestellt. Auch 50.000 wären schon ein Debakel. Angesichts der aktuellen Hartz-IV-Debatte bemerken die Nürnberger Nachrichten zu Recht, dass der Engpass bei den Lehrstellen ein Thema sei, "das wichtiger ist als die nächste Reform der Arbeitsmarkt-Reform".

Um das Debakel irgendwie abzuwenden, hat sich Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) für eine Kürzung der Lehrlingsgehälter ausgesprochen. Dieser Vorschlag kommt regelmäßig, üblicherweise aus den Reihen der Arbeitgeberverbände. Nur weiß man auch, dass es am Geld alleine nicht liegt, dass zu wenig Ausbildungsplätze angeboten werden - zumal die Kosten für eine Lehrstelle ohnehin recht niedrig sind. Die Westdeutsche Zeitung befürchtet daher eine Vorlage von Glos an die Unternehmen: "Es wäre die Aufgabe des Wirtschaftministers, den Druck auf die Unternehmen zu erhöhen, ihre Zusagen zum Ausbildungspakt einzuhalten. Immerhin hatte die vorherige Bundesregierung dafür von der angedrohten Ausbildungsplatzabgabe Abstand genommen. Stattdessen liefert Glos der Wirtschaft schon jetzt die Entschuldigung dafür, warum auch in diesem Jahr nicht genügend Ausbildungsstellen zur Verfügung stehen werden."

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Die Heilbronner Stimme weist auf den Umstand hin, dass "Betriebe, die schließen mussten, (...) keine Lehrlinge mehr aus(bilden). Die noch existierenden können dieses Defizit nicht ausgleichen." Immer mehr Betriebe ziehen sich aus der Ausbildung zurück, trotz der düsteren Prognose, dass der deutschen Wirtschaft 2015 bis zu 3,5 Millionen Fachkräfte fehlen könnten. Das wiederum hat mit dem Faktor Demografie zu tun, wie der Münchner Merkur bemerkt: "Am Ende wird die Ausbildungsmisere alle treffen. Dann nämlich, wenn in nur wenigen Jahren nicht mehr genug junge Leute für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, ganz einfach, weil die Deutschen zu wenig Kinder haben. Es müsste das ureigenste Interesse der Unternehmen sein, heute die Fachkräfte für die Zukunft auszubilden."


Ein weiteres, wesentliches Problem der Misere ist außerhalb der Wirtschaft zu finden. "Die Zahl der Schulabgänger, die nicht einmal mehr über die Grundvoraussetzungen für eine Lehre verfügen, wird stetig größer", schreibt die Rhein-Neckar-Zeitung. Dort kann man dem Vorschlag des Wirtschaftsministers zumindest eines abgewinnen: "Nimmt sich ein Betrieb eines schwer vermittelbaren Jugendlichen an, könnte er für den zusätzlichen Aufwand, etwa, um die schulischen Grundkenntnisse nachzuholen, durch geringere Lohnkosten entschädigt werden."

Unser Bildungssystem hat sich den Erfordernissen der Zeit jedoch nicht angepasst, so sehr man das bedauern mag. In keinem anderen Industrieland gibt es ein derart strikt gegliedertes Schulsystem, in dem die Entscheidungen über künftige Lebenschancen der Schüler so früh gefällt werden. Übrig bleiben in diesem System Jugendliche mit Hauptschul- oder auch schlechtem Realschulabschluss, die auf dem Lehrstellenmarkt nicht mehr zu vermitteln sind. Wollen wir also für die Zukunft vorsorgen, hilft es nicht nur, auf die Unternehmen zu schimpfen. Auch an der Basis muss gearbeitet werden. Und das bedeutet, dass zumindest die Hauptschule abgeschafft werden muss.

© ZEIT online 30.5.2006 - 16:07 Uhr


Michael Knuth
Unterm Wulfhorn 1
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